Viele sind skeptisch, wenn ich erzähle, dass ich bei einem Workshop oder Mitarbeitertraining über Gebet spreche. „Ist Gebet denn überhaupt etwas, das man lernen kann?“, fragen sie. Ich glaube, ja. Jeder, der betet, hat es von anderen gelernt – von den eigenen Eltern, Freunden oder anderen Menschen, bei denen wir gesehen haben, wie sie beten. Auch die Jünger bitten Jesus an einer Stelle, „Herr, lehre uns beten!“ (Lk 11,1) Für Gebet gibt es kein Rezept. Und doch gibt es ein paar Punkte, die helfen, im Gebet bei Gott zu begegnen. Hier sind die wichtigsten vier, die ich oft und gerne weitergebe:

1. Nimm Dir Zeit, bei Dir anzukommen

Gott ist immer da, wo Du bist. Bist Du auch dort? Nimm Dir Zeit wahrzunehmen, wie Du gerade hier bist: Wie geht es Dir? Was beschäftigt Dich? Was geht Dir noch nach? Fang nicht an zu grübeln, aber werde Dir bewusst, wie Dein Hier und Jetzt gerade aussieht. Wenn es Dir hilft, schreib ein paar Zeilen in Dein Tagebuch oder Dein Notizheft.

2. Stell Dich unter Gottes Blick

Bleib nicht bei Dir selbst stehen, sondern wende Dich Gott zu. Das Kreuzzeichen zu machen oder die Augen zu schießen, kann Dir dabei helfen. Vergleiche Dich nicht mit anderen, sondern werde Dir bewusst, dass Gott Dich mit einem liebenden Blick ansieht und Dich herzlich willkommen heißt – genauso, wie Du jetzt da bist. (Vgl. Röm 8,15; Hebr 4,16)

3. Leite Dich selbst im Gebet

Sei nicht nur passiv und warte darauf, dass etwas passiert. Mach Schritte auf Gott zu und Er wird Dir entgegenkommen. (Vgl. Jak 4,8)  Ein guter Anfang ist oft, Gott zu danken, ihn um Vergebung zu bitten oder Ihn einzuladen Dir zu helfen, wo Du nicht weiter weißt. Auch die Psalmen sind für mich ein riesiger Schatz, der mir hilft mit Gott ins Gespräch zu kommen. Psalm 31 beginnt z.B. so:

HERR, bei dir habe ich mich geborgen. Lass mich nicht zuschanden werden in Ewigkeit; rette mich in deiner Gerechtigkeit! Neige dein Ohr mir zu, erlöse mich eilends! Sei mir ein schützender Fels, ein festes Haus, mich zu retten! Denn du bist mein Fels und meine Festung; um deines Namens willen wirst du mich führen und leiten. Du wirst mich befreien aus dem Netz, das sie mir heimlich legten; denn du bist meine Zuflucht. In deine Hand lege ich voll Vertrauen meinen Geist; du hast mich erlöst, HERR, du Gott der Treue. Verhasst waren mir, die nichtige Götzen verehren, ich setze auf den HERRN mein Vertrauen. Ich will jubeln und deiner Huld mich freuen; denn du hast mein Elend angesehn, du kanntest die Ängste meiner Seele. (Ps 31,2-8)

4. Komm zurück und bleibe bei dem, was Dich bewegt

Wenn Du merkst, dass Du Gottes Gegenwart spürst, Dich Frieden erfüllt oder Dein Herz auflebt, bleibe bei dem, wie Du gerade betest. Es geht im Gebet nicht darum, ein Programm abzuarbeiten, sondern um persönliche Begegnung mit Gott.

Während Du betest, wirst Du immer wieder abgelenkt werden und vom Gebet abschweifen. Das ist ganz normal und nicht weiter schlimm! Komm einfach immer wieder zu dem zurück, wo Du gerade warst.

„Wenn dein Herz wandert oder leidet, bring es behutsam an seinen Platz zurück und versetze es sanft in die Gegenwart Gottes. Und selbst dann, wenn du nichts getan hast in deinem Leben, außer dein Herz zurückzubringen und wieder in die Gegenwart Gottes zu versetzen – obwohl es jedesmal wieder fortlief, wenn du es zurückgeholt hattest -, dann hat sich dein Leben wohl erfüllt.“ (Franz von Sales)